Deutschland vs. Italien – Halbfinalzeit!

Noch wenige Stunden dann steigt in Warschau die zweite Halbfinalpartie der EM-Endrunde 2012. Deutschland fordert Italien – ein Klassiker! Wer gewinnt steht im Finale und kann sich, gegen den amtierenden Titelträger Spanien höchstselbst, Europas Fußballkrone schnappen. Ab 20.45 Uhr geht es los (live in der ARD), dann wird der französische Schiedsrichter Stéphane Lannoy die vorletzte Partie der EURO 2012 und die bereits letzte in Polen anpfeifen.

direkter Vergleich Spa-PorWie schon im ersten Halbfinale gestern Abend in Donezk (Portugal vs. Spanien), stehen sich auch heute zwei Teams gegenüber, die bestens vertraut miteinander sind, sich schon allzu oft bei großen Turnieren gegenüberstanden und die eine ganz besondere Rivalität miteinander verbindet, oder vielmehr trennt. Und man kann einiges erwarten von dem anstehenden Spiel. Beide Mannschaften wussten bislang im Turnier zu überzeugen und stehen zu Recht in der Runde der besten vier Teams Europas, wozu beide zur Zeit unbestreitbar gehören. Es wird wohl noch mal spannend und hochklassig in Warschau, bevor der EM-Tross weiter in Richtung letzen Akt, Finale gegen Spanien, nach Kiew zieht.

Teamfakten

Deutschland

Neben Spanien als Top-Favorit in die EM gestartet, konnte die deutsche Elf diesem Status bislang voll gerecht werden. Auch wenn sich die Gegner auf Deutschland und ihre Spielweise eingestellt haben und es dem begnadeten Löw-Team, durch Manndeckung und Zustellen der freien Räumen, nicht gerade einfach machen. Aber Deutschland hat gezeigt, dass es mehr kann als den Hurra-Fußball der WM 2010 in Südafrika und hat bislang eindrucksvoll davon überzeugt, wie ernst es ihnen mit dem „längst überfälligen Titel“, wie es die meisten Spieler sehen, ist. Deutschland ist nun ein reifes und erfahrenes Team, aber immer noch reich an jungen Akteuren und auf jeder Position mindestens doppelt herausragend besetzt. Ob der DFB jemals zuvor auf ein solch homogenes Spitzenteam setzen konnte ist fraglich. Alleine Titel fehlen diesen begnadeten Fußballern der „goldenen deutschen Generation“.
Der Weg der deutschen Mannschaft ins heutige Halbfinale bestritten die Deutschen souverän; genauso wie zuvor schon die Qualifikationsrunde. Seit der Halbfinalniederlage bei der letzten WM, hat die DFB-Elf keine Pflichtspiel-Niederlage mehr kassieren müssen. Noch nicht einmal ein Punkt ließ sich die erfolgshungrige Truppe abluchsen. Bis zum heutigen Tag. Selbst die von vielen vor der EM sehr gefürchtete Gruppe B, mit den starken Niederländern, Portugiesen sowie der dänischen Olsen-Bande, meisterte Deutschland mit einem Durchmarsch und stand in jeder der Partien letztlich auch als verdienter Sieger fest. Im Viertelfinale konnten auch die Griechen dem Löw-Team nicht das Wasser reichen und kommt Italien. Die Zielsetzung ist klar. Das Spiel dominieren, siegen und Selbstvertrauen für die nächste Revanche (Finale 2008 in Wien) auf welche man sich dann im Finale freuen könnte.

Deutschlands Weg ins Halbfinale

SpieltagStadionHeim GastErgebnis
1.Lemberg Deutschland Portugal1:0 (0:0)
2.Lemberg Niederlande Deutschland1:2 (1:1)
3.Charkow Dänemark Deutschland1:2 (0:2)
ViertelfinaleDanzig Deutschland Griechenland4:2 (1:0)

Wer darf ran?

Wie der Bundestrainer spielen wird, soll erst in aller letzter Minute bekanntgegeben werden. Man kann aber damit rechnen, dass sich die jungen wilden Reus und Schürrle, zunächst wieder auf der Reservebank wiederfinden und dafür Müller und Podolski zurück rücken in die Startformation. Allerdings munkelt man im DFB-Camp auch über die Konstellation Podolski und Reus, was Müller erneut ins zweite Glied rücken würde. Ob vorne Klose oder Gomez stürmt bleibt fraglich, beide haben ihre Vorzüge. Auf den zuletzt leicht angeschlagenen Schweinsteiger, muss der Trainerstab wohl nicht verzichten, wie Jogi Löw gestern versammelte Journalisten und Öffentlichkeit beruhigend mitzuteilen wußte. Wenn doch, dann steht mit Toni Kross eine mehr als adäquate Alternative in den Startlöchern, die brennt und nur darauf wartet sich endlich beweisen zu dürfen im Nationalteam. Bei den heimischen Bayern hat er die Schweinsteiger-Rolle bisweilen hervorragend, für viele sogar noch besser besetzt und interpretiert.

Ansonsten sind alle DFB-Kicker mit an Bord; keine Verletzungen oder Blessuren und auch keine Sperren. „Der Bundes-Jogi“ kann also aus dem Vollen schöpfen. Man darf sich auch heute wieder freuen auf das deutsche Team, für die es nur noch zwei Siege sind um endlich einen Titel zu gewinnen.

 Italien

Mit den Italienern ist stets zu rechnen bei großen Turnieren wie eigentlich jeder weiß und wie auch jeder bei der diesjährigen EM-Endrunde in Polen und der Ukraine eindrucksvoll beobachten konnte. Vor dem Turnier hatten den Italienern nur die wenigsten überhaupt auch nur ein Überstehen der Vorrunde und den Einzug ins Viertelfinale zugetraut. Zu groß schienen die Unstimmigkeiten im Team, zu gering die fußballerische Klasse, zu allumfassend der kurz vor der beginnenden EM-Vorbereitung aufgedeckter, neuerlicher Wettskandal in der Heimat von Pizza, Pasta und der Mafia. Immerhin wurden einige mutmaßlich darin verwickelten Akteure, so auch Torhüter und Kapitän der Squadra Azzurra Gianluigi Buffon, von Carabineri im Trainingslager aufgesucht, um etwas Licht ins dunkle des tiefen italienischen Wettsumpfes zu bringen. – Schlechte Vorzeichen also für eine lange EM, in welcher Kräfte und Nerven ohnehin zu genüge beansprucht werden.
Italien zeigte sich aber unbeeindruckt von jeglicher Kritik und allen skeptischen Stimmen aus der Heimat und vertraute auf sich selbst. Schließlich wurde die Qualifikation ungeschlagen und souverän, bei nur zwei Remis (0:0 in Nordirland, 1:1 Belgrad), gemeistert und auch der Umstand, dass vor der WM 2006, die man bekanntlich als Weltmeister abschließen konnte, das erste Mal ein italiensicher Wettsumpf aufgedeckt wurde, ist kein schlechtes Omen für das stolze Italia. Eine Trotzreaktion, die sich in hervorragender Leistung kanalisierte und das Team entscheidend zusammenschweißen konnte; bei allen Unstimmigkeiten.
Es scheint fast so als solle es in diesem Jahr ähnlich laufen. Bislang ist man auf jeden Fall auf einem guten und aussichtsreichem Weg. Gleich zu Beginn konnte man Spanien mit einer tollen Leistung und einer recht offensiven Grundausrichtung beeindrucken und erkämpfte sich ein verdientes 1:1-Remis. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wußte jeder der auch nur ein wenig Fußballsachverstand besitzt, dass mit Italien, allen Unwägbarkeiten zum Trotz zu rechnen ist; und zwar bis zum Schluss. Eine goldrichtige richtige Einschätzung, die sich zumindest bis ins Halbfinale bestätigt hat. Zwar kam Italien in den beiden weiteren Gruppenspielen nicht ganz an den fußballerischen Glanz den Mann noch gegen Spanien versprühte ran, aber es reichte in alt bewährter defensiveren Manier. Gegen England im Viertelfinale trumpfte die Prandelli-Elf dann wieder mit offensiven Fußball auf und verdiente vollkommen zu Recht gegen ein schwaches England, das in allen Bereichen deutlich unterlegen schien.

Italiens Weg ins Finale

SpieltagStadionHeim GastErgebnis
1.Danzig Spanien Italien1:1 (0:0)
2.Posen Italien Kroatien1:1 (1:0)
3.Posen Italien Irland2:0 (1:0)
ViertelfinaleKiew England Italien2:4 i.E. 0:0 n.V.
FinaleWarschau Deutschland Italien0:2 (0:2)

Wer darf ran?

Gegen die deutsche Elf müssen die Italiener wieder alles aus sich herausholen, den man weiß um die Klasse der Deutschen. Doch auch selbst fehlt es Italien mit Nichten an Selbstvertrauen und man zeigt sich Gewiss, dass man sich morgen früh noch nicht in die Heimat, sondern auf zum Finale nach Kiew begeben wird. Beschworen werden die Geister von 2006 und als Außenseiter sieht man sich keineswegs. Zwar auch nicht als klarer Favorit, aber man ist sich ziemlich sicher es zu schaffen. Auch weil, wie Mittelfeld-Chef Pirlo in einem Interview provozierend hinausposaunte, dass „Deutschland (…) Angst vor uns…“ hat. Davon ist man auch überzeugt!

Man darf sich also auf einen heißen Fight einstellen. Es wird spannend sein zu sehen wie die Italiener gegen die Offensivstarken Deutschen agieren werden. Wählt man die ebenfalls offensive Variante aus dem Spiel gegen Spanien mit drei Abwehrkette und einem starken Mittelfeld, gibt es ein klassische italienische Catenaccio oder überrascht der italienische Trainerfuchs erneut mit einer Taktik und Aufstellung die so keiner vorhersehen konnte und den Gegner aus dem Konzept bringt? Wir werden es sehen.
Zurückgreifen kann der Coach bei seinen Überlegungen fast auf den gesamten mitgereisten Kader. Außer Christian Maggio der eine Gelbsperre verbüßen muss, sind alle fit, an Bord, heiß auf den Klassiker gegen Deutschland und unversehrt.

Mehr Infos zum Spiel warten hier…

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