Portugal vs. Spanien – Halbfinal-Zeit!

Um 20.45 Uhr wird in Donezk das erste Halbfinale der EM 2012 von dem türkischen Unparteiischen Cüneyt Cakir angepfiffen. Dann geht es darum, sich als erstes Team für das große Finale am kommenden Sonntag in Kiew zu qualifizieren und den ersten von zwei noch nötigen Siegen bis zum Titelgewinn einzufahren. Doch auch darüber hinaus verspricht dieses erste Halbfinale zusätzliche Brisanz, stehen sich doch mit den Protagonisten Portugal und Spanien zwei Nachbarn und fußballerische Dauerrivalen gegenüber, die sich zudem noch zu großen Teilen bestens aus ihren Vereinsmannschaften kennen, die beide jeweils noch eine offen Rechnung aus der Vergangenheit zu begleichen haben.

direkter Vergleich Spa-PorDas erste Halbfinale dieser EM verspricht viel. Mit Spanien und Portugal stehen sich zwei Mannschaften gegenüber, die dort auch insgesamt verdient stehen und nun die iberischen Regionalmeisterschaften im Rahmen eines EM-Halbfinales austragen dürfen. Für die beiden stolzen Völker für die Fußball, ohne zu übertreiben, eine Art Religion und wichtiger Teil der nationalen Identität ist, ein wichtiges Ereignis. Eine Art Derby also, in der es um mehr geht als den Finaleinzug. Es geht auch um Ehre, Ruhm und die fußballerische Vormachtstellung auf der iberischen Halbinsel. Portugal hat noch einiges Aufzuholen im direkten Vergleich mit dem Nachbarn. 17 spanischen Erfolgen stehen bei sieben Remis lediglich vier Erfolge Portugals gegenüber.
Es geht also um viel. Man kann sich auf einen brisante und feurige Partie freuen, zumal beide Kontrahenten noch eine Rechnung mit dem Gegner offen haben. Spanien verlor im EM-Halbfinale im Nachbarland gegen den Nachbarn, wie heute, im Halbfinale und musste die wenigstens nicht allzu weite Heimreise antreten. Portugals offene Rechnung hatte eine um einiges weitere vorzeitige Heimreise zu Folge. Bei der WM 2010 in Südafrika kam es schon im Achtelfinale zu dem Nachbarschafts-Duell, dass Spanien mit 1:0 für sich entscheiden konnte. Heute ist also die Zeit der Wiedergutmachung gekommen. – Man darf sich freuen und gespannt sein! – ab 20.45 Uhr geht es los (live im ZDF).

Teamfakten

Portugal

CR7 traf im 1/4finale

Portugal ist mäßig in diese EM-Endrunde gestartet, hat sich aber sukzessive gesteigert und steht nun insgesamt zu Recht im Halbfinale. Im Auftaktmatch hatte es die Bento-Elf in Gruppe B gleich mit Deutschland zu tun, die ihrer Favoritenrolle gerecht werden konnte und Portugal gleich zu Turnierbeginn eine empfindliche Niederlage zufügten. In der Folge wußte Portugal, dass ab nun die verbleibenden Gruppenspiele möglichst gewonnen werden müssen, um noch eine Chance auf das EM-Viertelfinale und womöglich mehr zu haben. Doch auch gegen Dänemark wirkten die Portugiesen immer noch nicht ganz auf der Höhe ihrer eigentlichen Leistungsfähigkeit. Dank einer deutlichen Leistungssteigerung der gesamten Mannschaft, aber auch dank eines Christiano Ronaldo, der im entscheidenden letzten Gruppenspiel gegen die Niederlande, mit seinen beiden Treffer entscheidend zu dem 2:1-Erfolg der Iberer beitragen konnte. Somit war der Zweite Tabellenplatz verteidigt und Portugal qualifizierte sich fürs Viertelfinale.
Ronaldo PIC Als Gruppen-Zweiter trafen die Portugiesen dort auf den Gruppen-Ersten aus Gruppe A, Tschechien. Das erste mal wußte Portugal bei dieser EM ab der ersten Spielminute so richtig zu überzeugen und ließ den, wenn auch an diesem Tag äußerst schwachen Tschechen keine Chance. Erneut war es Christiano Ronaldo der entscheidend einnetzen und die Seleccao ins Halbfinale einziehen ließ. Hier geht es zum Spielbericht.

Portugals Weg ins Halbfinale

SpieltagStadionHeimGastErgebnis
1.Lemberg Deutschland Portugal1:0 (0:0)
2.Lemberg Dänemark Portugal2:3 (1:2)
3.Charkow Portugal Niederlande2:1 (1:1)
ViertelfinaleWarschau Tschechien Portugal0:1 (0:0)

Ob es gegen Spanien reicht, bleibt abzuwarten. Fakt ist, dann muss alles passen und eine weitere Steigerung vollzogen werden. Außer gegen Deutschland hat man sich bei dieser EM bislang noch nicht mit einem ähnlichen Kaliber wie dem des Halbfinalgegners Spanien messen müssen. Und gegen Deutschland konnte eben nicht überzeugt werden. Dass mit den Niederlanden ein formales Top-Team geschlagen werden konnte sollte nicht allzu hoch gehängt werden. Holland war an diesem Tage einfach (einmal mehr bei der EM-Endrunde 2012) enttäuschend und weit von dem Prädikat Titelkandidat entfernt. Ein Finaleinzug Portugals wäre definitiv für die Meisten eine kleine Überraschung.

Außer dem Ausfall von Stürmer Helder Postiga, stehen Übungsleiter Paolo Bento alle nach Polen und die Ukraine mitgereisten Spieler zur Verfügung. Weitere Verletzungen Fehlanzeige; Sperren ebenso.
Größere Umbauten an der Startformation wird es wohl nicht geben. Außer dass ein Postiga-Ersatz im ohnehin bislang wenig überzeugenden Angriff her muss. Beste Aussichten hat wohl der Ex-Werderaner (jetzt Besikitas Istanbul) Hugo Almeida, der wahrscheinlich den Vorzug gegenüber dem jungen Castro Oliveira und Portos G. Varela.

Spanien

Xabi Alonso - doppelt im 1/4finale & 100. erfolgreich

Der amtierende Welt- und Europameister Spanien ist bei dieser Europameisterschafts-Endrunde nicht ohne Mühe in Tritt gekommen, konnte sich aber letztlich steigern und hat gezeigt, warum man auch in diesem Jahr der ganz heiße Anwärter auf den wiederholten Titelgewinn ist. Einfach wird es der del Bosque-elf nämlich nicht gerade gemacht. Die Gegner stehen taktisch hervorragend eingestellt und lassen kaum Räume. Da ist es schwierig, trotz drückender Überlegenheit, den entscheidenden letzten Pass in die Spitze zu spielen und zum Torerfolg zu gelangen. Gleichzeitig muss auch selbst kompakt in der eigenen Defensive gestanden werden, da stets Konterangriffe drohen. Der Hurra-Fußball der Spanier, der noch bei der WM (gleiches gilt auch für Deutschland) alle begeistert hat, musste leicht modifiziert werden. Ganz so flüssig und gar so extrem schön anzuschauen ist der spanische Fußball nicht mehr, wirkt dafür aber noch reifer und überlegter. Das Fehlen von Carlos Puyol und David Villa im Angriff wirkten sich bislang noch nicht so negativ aus auf das spanische Spiel wie von vielen befürchtet. Der Erfolg spricht da für sich, auch wenn es in der Spitze weiter durchaus berechtigte Diskussionen um den passenden Villa-Ersatz gibt.
Wohl keines der vier am Halbfinale teilnehmenden Teams hatte einen solch mühsamen und schweren Weg in die Runde der besten Vier, wie Spanien. Schon die Gruppe war mit Italien und Kroatien, mit zwei starken Gegnern gespickt, die einen Sieg Spanien tatsächlich in Gefahr bringen konnte. Italien gelang dieses Kunststück gleich am ersten Spieltag und konnte einen Punkt aus der Partie gegen Spanien mitnehmen. Gegen Kroatien zeigte sich aber letztlich die große Klasse und die neue Qualität der del Bosque-Truppe, geduldig abzuwarten und die entscheidenden Treffer früher oder später zu erzielen.
Als Gruppen-Erster konnten sich die Seleccion dann aber vor Italien und Kroatien für das Viertelfinale qualifizieren wo mit Frankreich ein weiterer unangenehmer, ebenfalls hochklassiger Gegner wartet, der aber am Tag des Viertelfinals nicht für eine Überraschung sorgen konnte. Das Leben schwer gemacht haben es die Franzosen den Spaniern trotzdem und mit ein wenig Glück hätte es auch klappen können für Ribery und Co. Das Glück blieb aber aus und Spanien konnte sich verdient, wenn auch knapp durchsetzten. Hier geht es zum Spielbericht.

Spaniens Weg ins Finale

SpieltagStadionHeimGast Ergebnis
1.Danzig Spanien Italien1:1 (0:0)
2.Danzig Spanien Irland4:0 (1:0)
3.Danzig Kroatien Spanien0:1 (0:0)
ViertelfinaleDonezk Spanien Frankreich2:0 (1:0)
HalbfinaleDonezkPortugal Spanien2:4 i.E. (0:0 n.V)

Gegen Portugal dürfte die Spanier ein ähnlich unangenehmes Spiel erwarten. Wie Frankreich hat auch Portugal große stärken im Verdichten der Räume und in der Defensive im Allgemeinen, die es auch gegen Deutschland schaffte nur wenig zuzulassen. Vorne sorgt Christiano Ronaldo, wenn es sein muss im Alleingang, für portugiesische Torgefahr oder -erfolge. Wenn Spanien aber so spielt wie bisher, dann wird sich der große Nachbar auch durchsetzen können gegen das kleine Portugal.

Auf Personal muss die spanische Elf nicht verzichten. Trainer del Bosque hat freie Wahl. Keiner ist gesperrt, verletzt oder ernsthafter angeschlagen.Große Veränderungen in der Startformation stehen aber auch bei den Spaniern nicht an. Wohl auch weil Frankreichs Spielweise durchaus mit der zu erwartenden portugiesischen vergleichbar ist. Fragezeichen ranken sich jedoch weiterhin um die „falsche“ oder „richtige Neun“ der Spanier. Torres oder Fabregas scheint schon fast ein Glaubenskonflikt zu sein bei den Iberern. Bessere Aussichten hat wohl Fabregas, da er mit Iniesta und Xavi zwei Barca Teamkameraden hinter sich weiß, mit denen Lauf- und Passwege perfekt abgestimmt sind.

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