Reifere Italiener schlagen Deutschland 2:1

Deutschland verliert sein EM-Halbfinale in Warschau gegen Italien mit 2:1 und scheidet unglücklich aus der EM-Endrunde aus. Italien spielt klug, Deutschland insgesamt zu ungestüm und zwei individuelle Fehler in der deutschen Defensive reichen Italien. Zweimal ist das italienische „entfant terrible“ Balotelli zur Stelle und sorgt für die frühen Führungstreffer auf Seiten der Prandelli-Elf. Den Anschlusstreffer erzielt Özil, bezeichnenderweise per Strafstoß, in der Nachspielzeit. Italien trifft nun am Sonntag im Finale von Kiew auf den amtierenden Titelträger Spanien. Deutschland kann Italien erneut nicht in einem großen Turnier schlagen und muss enttäuscht die Heimreise antreten.

Die deutsche Elf beginnt stark und lässt sich auch von den stürmisch beginnenden Italienern nicht aus der Ruhe bringen, bei denen vor allen Dingen der nach eigener Aussage „10-Prozent-Deutsche“ Montolivio (Mutter aus Schleswig Holstein) engagiert zu Werke geht. Deutschland übernimmt aber schnell die vollkommene Kontrolle über das Spiel und nach sieben Minuten sieht es so aus als wäre es nur eine Frage der Zeit bis der erste Treffer für Deutschland fällt. Italien hat schwer zu tun in der eigenen Hälfte, Ballverteiler Pirlo hat nicht so viele Freiräume wie zuletzt und hinten lassen die deutschen Abwehrrecken nichts anbrennen. Der überlegenen Löw-Elf fehlt nur das entscheidende Quentchen Glück um in Front zu gehen. Aber es soll nicht sein und so kommt es wie es so oft kommt: Italien spielt sich zum allerersten Mal in den deutschen Strafraum; auf rechts verliert Hummels einen folgenschweren Zweikampf gegen Cassano unglücklich, der flankt an die Fünfmeterlinie wo Balotelli per Kopf, an dem chancenlosen Manuel Neuer vorbei, einnetzt zur überraschenden 1:0-Führung der Italiener. Badstubers katastrophales Stellungsspiel sei dank, der gegen Balotelli in dieser Szene ganz alt aussieht.

Auch nach dem Rückstand steckt die deutsche Elf keineswegs auf und macht in oben beschriebener dominanten Art weiter, als hätte es den Gegentreffer nie gegeben. Doch erneut versagt das Fortune im entscheidenden Moment und der Ausgleich bleibt versagt. Anstelle dessen kommt es noch dicker. Montolivio schlägt einen langen Ball, weit aus der eigenen Hälfte heraus genau in den Lauf von dem stets an der Grenze zum Abseits lauernden Balotelli findet, der den Ball flink verarbeitet und in Richtung Manuel Neuer mitnimmt und dann aus 15 Metern eiskalt an dem erneut chancenlosen Neuer vorbei, wuchtig ins rechte obere Toreck, zum 2:0 im Kasten unterbringt (37.). In keinster Weise verdient, aber die freundlichen Einladungen der Deutschen stets annehmend, führt die Squadra Azzurra schon früh deutlich. Den zweiten Gegentreffer muss sich Phillip Lahm ankreiden lassen, der vollkommen falsch postiert gegen Balotelli das Nachsehen hatte. Deutschland wehrt sich aber tapfer weiter bis zum Schluss der ersten Hälfte, kann aber gegen sich immer tiefer in die eigene Hälfte zurückfallen lassende Italiener, jedoch nichts zählbares herausholen.

doppelter Torschütze Balotelli

Doppel-Torschütze Balotelli

Nach dem Seitenwechsel fehlen Podolski und Gomez, dafür stehen Reus und Klose auf dem Feld und die Deutschen beginnen stürmisch, haben ordentliche Gelegenheiten, aber der Anschlusstreffer will nicht fallen. Es spielt nur die deutsche Mannschaft, aber dies zu ungestüm und glücklos in letzter Konsequenz. Italien verlagert sich aufs Kontern, vergibt aber bis zur Schlussviertelstunde die ein oder andere gute Gelegenheit zur Vorentscheidung. Deutschland macht natürlich mit zunehmender Spieldauer mehr und mehr auf, Löw bringt Müller für Boateng, doch auch die zusätzliche Offensivkraft kann nichts entscheidendes mehr bewirken. Bis zum Schluss fehlt die letze Durchschlagskraft, sich in richtige vielversprechende Situationen zu begeben. Es bleibt bei Halbchancen die heute nicht zielführend sind, weil eben auch die gewisse Portion Glück fehlt oder aber Altmeister Buffon zur Stelle ist. Wie so oft gegen Italien!

Italien vergibt bis zum Schluss weitere, beste Gelegenheiten zum 3:0, bringt aber keine mehr im Tor unter. In der Nachspielzeit kann Özil zwar noch einen Handelfmeter zum Anschlusstreffer verwandeln, aber helfen tut dies auch nicht mehr, kurz danach ist dann auch Schluss. Der französische Schiedsrichter beendet die Partie. Italien gewinnt 2:1, und hat sich das Finale durch harte Arbeit und kluges Spiel gegen spielerisch überlegene Deutsche auch irgendwie verdient. Italien wirkt heute einfach um Klassen reifer und hat im Finale wohl auch mehr Chancen den Titelverteidiger zu enttrohnen, als die deutsche Elf dies hätte, so glücklos und offensiv ungestüm, wie sie sich heute präsentiert hat.

Deutschland ist draußen, geht wieder leer aus und das „neue“ Italien spielt am Sonntag gegen Spanien um den Titel. Eine mit Sicherheit spannende und hochklassige Begegnung zum Abschluss der EM 2012. Die Herzen der Fußballfans weltweit haben die deutschen trotz allem, dank ihrer erfrischenden Art Fußball zu spielen, erobert. Auf ein Neues in zwei Jahre in Brasilien. Dann geht es um den Weltpokal und dann wird es Deutschland erneut versuchen. Potential ist ja reichlich vorhanden; irgendwann wird es dann auch mal wieder reichen für einen Titel.

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