Spanien nach Elferschießen im Halbfinale

Der erste Finalteilnehmer der am Sonntag im EM-Finale von Kiew um den Titel spielt ist gefunden. Spanien konnte sich in einer wenig unterhaltsamen und phasenweise ernüchternden Partie mit 4:2 im Elfmeterschießen gegen den iberischen Nachbarn aus Portugal durchsetzten.

Als erste Halbfinalteilnehmer hat sich Titelverteidiger Spanien gegen Portugal durchsetzen können. Allerdings dauerte es lange über die 90 Minuten hinaus, bis hin zum Elfmeterschießen, bis dann endlich ein Sieger gefunden wurde. Portugals Bruno Alves scheitert mit dem vierten Versuch für die Seleccao aus elf Metern am Querbalken, anschließend zeigt Barca-Angreifer Cesc Fabregas keine Nerven und verwandelt den entscheidenden Elfmeter eiskalt, über den Umweg des Innenpfosten, gezielt und passgenau ins linke untere Eck.
Insgesamt hatten wohl die meisten neutralen Zuschauer mehr erwartet von der Begegnung der beiden Nachbarländern. Doch Portugal verteidigte geschickt und Spanien konnte sein sonst so flüssiges, spielerisch leicht wirkende Kombinationsspiel nicht auf den Rasen zaubern und ließ auch seinerseits kaum Gefahr für das eigene Tor zu. Es sollten zähe 90 Minuten werden, ohne große Highlights.
Auch Christiano Ronaldo blieb einmal mehr blass. Der wohl meist überschätzte Spieler der Welt konnte außer einigen Flügelläufen, die insgesamt aber nie zielführend waren, wieder einmal keinerlei Akzente setzen und als er in der Schlussphase sogar die große Chance hatte das Spiel zu entscheiden, vergab aber kläglich. Auch die zahlreichen Freistoßversuche führten heute nicht zum Erfolg und landeten allesamt deutlich über oder neben den Kasten.

Spanien lässt Leichtigkeit vermissen

Der Favorit Spanien tat sich wie schon so oft schon bei dieser EM schwer sich Torchancen zu erarbeiten. Exemplarisch dafür kann man Alvaro Negredo, der dann doch den Vorzug vor Cesc Fabregas und Fernando Torres im Angriff der Spanier erhielt, betrachten: Der Stürmer aus Liverpool hing weitestgehend in der Luft und konnte seine Klasse nicht zeigen. Wenn die Seleccion von Trainer Vincente del Bosque agierte, dann meist brotlos. Portugal konnte in der ersten Hälfte insgesamt sogar leichte Vorteile für sich verbuchen.
In der zweiten wendete sich das Blatt. Jetzt hatte Spanien ein leichtes Übergewicht gegen zunehmend müder werdende Portugiesen. Außer zwei drei Aktionen auf beiden Seiten, wurde aber keine zwingende Torgefahr von einem der beiden Teams ausgestrahlt. In den Schlussminuten hatte Ronaldo, 14 Meter vor dem Tor schön in Szene gesetzt, endgültig zum Nationalheiligen aufzusteigen, doch er vergab… – Will man ein ganz Großer des Weltfussballs sein, dann muss eine solche Groß-Chance in einem solch entscheidenden Moment einfach genutzt werden! Er tat es nicht.
Folgerichtig ging es dann in die Verlängerung. Mit einem spanischen Team das endlich spielte wie Spanien, wie man es kennt, die gegnerischen Portugiesen über die gesamte Verlängerung hinweg klar dominierte und sich einige Male aussichtsreich in den Strafraum des Gegners hinein kombinieren konnte, den Ball aber letztlich auch nicht im Kasten unterzubringen vermochte. Die beste Gelegenheit dazu konnte Spaniens Genius Iniesta in den Schlussminuten nicht nutzen. Die ausgelaugten Portugiesen lauerten derweil vergeblich auf Kontergelegenheiten, womit nach 120 Minuten ohne Torerfolg, dann vom Punkt aus entschieden werden musste.

Elfmeterkrimi in Donezk

Spanien begann; und dies denkbar schlecht. Xabi Alonso, gegen Frankreich in seinem 100 Länderspiel noch mit zwei erzielten Treffern, davon auch ein Strafstoß, der Matchwinner, scheiterte an Portugals Keeper Rui Patricio. Ein Paukenschlag! Anschließend konnte aber auch Iker Casillias (Welttorhüter 2008-2011) zeigen, dass er ein Elfmeterkiller ist und parierte den Versuch von Jao Muthinio glänzend. Aufatmen bei Spanien. Es ging mit dem zweiten Versuch also wieder bei Null los. Spaniens Iniesta, Pepe, Pique, Nani und Sergio Ramos konnten in der Folge allesamt souverän verwandeln, ehe der Portugiese Bruno Alves das Leder vom Punkt an die Unterkante der Latte beförderte. Ein eigentlich guter Versuch, nur einen winzigen Tick zu hoch angesetzt. Den anschließenden entscheidenden Versuch zun 4:2-Sieg für Spanien verwandelte dann Barcas Cesc Fabregas (eingewechselt 54.) dann kompromisslos und für die Spanier war es geschafft. Ein hartes Stück Arbeit! – Umso größer aber auch die Erleichterung und Freude in Donezk aber auch in der Heimat, wo tausende Menschen auf den Straßen der Metropolen Madird, Barcelona und Sevilia feierten.

Zum dritten Mal hintereinander steht „la Furia Roja“ nun im Finale eines bedeutenden Turnieres und darf versuchen seinen Titel zu verteidigen und Geschichte zu schreiben. Gegen wen es dann im Finale von Kiew geht wird sich dann morgen in der zweiten Halbfinal-Begegnung zwischen Deutschland und Italien entscheiden.
Für Portugal geht es auf die Heimreise. Ins Halbfinale eingezogen zu sein, sollte auch des Erfolges genug sein. Mehr ist zu Zeit einfach nicht drin mit dieser Elf. Unter dem Strich zieht Spanien verdient ins Finale ein und wir morgen Abend dann wohl ganz entspannt dabei zuschauen, wer es denn noch ins Finale schafft. Italien oder Deutschland?!

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